|Ich erinnere mich, daß es ein heißer Spätsommertag war. Die Wärme staute sich in den verwinkelten Gassen des alten Heidelbergs, auch wenn die Strahlen der tiefer stehenden Sonne nur noch hier und da vordrangen. Ich schlenderte gemächlich an den kleinen Läden mit ihren Auslagen vorbei. Hier hatte Heidelberg noch seinen alten Reiz bewahrt, derweil sich in der Fußgängerzone Boutiquen und Fastfood-Restaurants aneinanderreihten.
Das messingfarbene Schild an der verwitterten Hauswand fiel mir auf, weil es neu war. “Stelle zur außergerichtlichen Einigung”. Ich hatte mal erwogen, Jura zu studieren, ehe ich mich für die Medizin entschied, und ich fragte mich unwillkürlich, was damit wohl gemeint war. Ich hatte Zeit. Mein Zug zurück in die kleine Gemeinde im Neckartal fuhr erst in zwei Stunden, also trat ich näher und sah, daß die Tür nur angelehnt war. Schon immer hat mich das Unbekannte, das Abenteuer gereizt. Ein Haus zu betreten, das Unbekanntes barg, war ein kleines Abenteuer.
Meine Augen mußten sich erst an das Halbdunkel der Hausflurs gewöhnen. Ein Fahrrad lehnte an der Wand, Briefkästen, aus denen Reklame-Sendungen lugten. Oben öffnete sich eine Tür. Schritte näherten sich. Klack, klack, klack. Absätze auf steinernem Boden. Eine Frau? Eine junge Frau oder ein Mädchen, denn die schnellen Schritte setzten Jugendlichkeit voraus. Die Dame schien es eilig zu haben. Ich machte einen Schritt Richtung Wand, um die Unbekannte vorbeizulassen.
Viel sah ich nicht von ihr. Doch genug, um zu erkennen, daß sie sich in einem ziemlich desolaten Zustand befand. Sie mußte geweint haben. Ihre Wangen waren gerötet. Die Schminke, mit der sie ihre Augenlider getönt hatte, war verwischt. Ich erinnere mich noch: Sie war groß, schlank, blond. Anfang 20. Vom ganzen Habitus her eine Studentin. Weitere Beobachtungen konnte ich nicht machen. Denn schon hatte sie die Tür erreicht. Alles an ihr drückte aus: Nichts wie weg hier.
Meine Phantasie begann zu arbeiten. Was hatte die schöne Unbekannte wohl verbrochen. Eine schicke Bluse aus einer Boutique mitgehen lassen? Und jetzt war sie zu 20 Arbeitsstunden im Kreis-Altersheim verurteilt worden?
Die Tränen?
Späte Reue?
Zögernd ging ich die Treppe ein paar Schritte hoch. Plötzlich riß mich eine Stimme aus meinen Gedanken. “Sie kommen spät. Ich wollte bereits gehen. Auf Ihrer Vorladung steht doch 17 Uhr. Ich hasse Unpünktlichkeit. Und den Rohrstock habe ich auch schon weggeschlossen. Kommen Sie rein, ich habe schließlich noch ‘was anderes zu tun als Ärsche zu versohlen.”
Ich blickte auf. Ich sah in das Gesicht einer etwa 40jährigen Frau. Ein feines, schmales Gesicht. Slawischer Typ. Die pechschwarzen Haare hinten geknotet. Graues Flanell-Kostüm. Knielang. Eine Dame. Typ Oberstudienrätin. Mit dem, was sie gesagt hatte, konnte ich nichts anfangen. Natürlich nicht. Ich war irritiert. Komischerweise weniger über den Inhalt ihrer Anrede als über ihre Wortwahl. Ärsche versohlen – das paßte nicht zu dieser vornehmen Frau. Erst später, nachdem ich Frau Dr. von Willberg besser kennengelernt hatte, wußte ich, daß zu einer Ihrer Vorzüge Ironie zählte.
Ich hätte sagen können, daß es sich wohl um ein Mißverständnis handeln müsse, ich hätte mich wortlos umdrehen und gehen können. Aber, wie gesagt, ich liebe das Abenteuer. Und irgendwie war ich von Autorität gefangen. Sie hielt die Tür auf, ich trat ein. “Gehen wir gleich ins Strafzimmer. Die Formalitäten können wir später erledigen”. Sie hielt mir eine Tür auf. Der Raum war leer. Fast leer.
In der Mitte stand ein Bock, wie ich ihn von der Turnstunde während meiner Schulzeit her kannte. Ein mit braunem Leder bezogener Bock, dessen Fläche sich nach unten neigte. An den vier Holzbeinen waren Schlaufen angebracht. “Sie wissen, was Sie erwartet. Ziehen Sie Ihre Hose aus. Rollen Sie Ihren Schlüpfer bis zu den Kniekehlen herunter.” Ich zögerte. Sie sprach sachlich weiter. Ohne ihre Stimme zu heben. “Sie können natürlich auch drei Monate in den Vollzug gehen. Wenn Ihnen das lieber ist. Aber ich dachte, sie hätten sich für den Rohrstock entschieden. Sind Ihnen Bedenken gekommen?”
“Bedenken?” Meine Stimme klang dünn. Mein Hals war trocken. Ich spürte, wie das Blut in meinen Kopf schoß. “Äh, ich…” Sie unterbrach mich. “Sie hätten sich das vorher überlegen sollen, Frau Neufeld. Bei Ihrem letzten Termin hier hat Ihnen meine Kollegin deutlich gemacht, was Sie erwartet. Das ist kein kindlicher Popo-Klatsch. Wenn Sie hier herausgehen, werden Sie Striemen auf Ihrem Gesäß haben. Diese Striemen werden Sie lang, wochenlang, an Ihr Vergehen erinnern. Man hat Sie aufgeklärt. Also, Susanne, machen Sie Ihren Hintern frei – wir sind ohnehin spät dran.”
“Ich, ich bin nicht….” Doch sie hatte sich bereits von mir abgewandt. Sie ging zur gegenüberliegenden Seite des Raums, und jetzt sah ich sie auch: In einer Bodenvase aus Ton steckten drei Stöcke. Stöcke aus Rattan, zeigefingerdick, unterschiedlicher Länge. Später klärte sie mich auf. Der kleine dünne war dafür da, die Handflächen heimzusuchen. Der mittlere, kleinfingerdicke brachte Teenager zum “Singen”. Der lange, zeigefingerstarke war für meinen Popo bestimmt.
Jetzt war mir alles klar. “Stelle für außergerichtliche Einigung”. Statt im Knast die Strafe abzusitzen, wurde die Sitzfläche malträtiert. Die hübsche Unbekannte, die mir draußen im Flur begegnet war, hatte deshalb so verzweifelt geschaut, weil sie gerade ihren Hintern versohlt bekommen hatte.
Tausend Gedanken gingen mir durch den Kopf. Die Presse verständigen. Die Europäische Menschenrechts-Kommission in Straßburg anrufen. Stattdessen löste ich wie in Trance den Gürtel meiner Jeans, zog den Reißverschluß herunter, zerrte und zerrte am Bund, denn natürlich waren die Jeans viel zu eng, doch wer tut schon gerne mit seinen Reizen geizen, wenn einem die Natur mit zwei veritablen Globen ausgestattet hat. “Ein Spiel”, dachte ich, “Ein Spiel”. Jetzt werde ich es ihr sagen, daß ich nicht Susanne Neufeld bin.
Doch stattdessen sagte sie: “Geben Sie mir die Jeans. Hat man Ihnen nicht gesagt, daß es unklug ist, mit engen Hosen hierherzukommen. Sie werden später Mühe beim Anziehen haben. Ein leichter Sommerrock wäre besser gewesen.”
Sie deutet mit dem Stock auf den Bock. “Legen Sie sich hier rüber. Mit dem Bauch nach unten. Oder möchten Sie vorher nochmal auf die Toilette?” “Ja, bitte”. Es war mehr ein Krächzen. Sie begleitete mich, damit ich nicht auf “dumme Gedanken” käme. Sie nahm vor der Tür Aufstellung. Ich dachte, jetzt mußt Du es ihr sagen, und dann dachte ich, jetzt ist es zu spät, jetzt glaubt sie es dir ohnehin nicht mehr. Ich war im Bann ihrer natürlichen Autorität. Ich war nicht mehr Julia M., die selbstbewußte angehende Medizinerin. Plötzlich hatte mein anderes Ich die Oberhand gewonnen. Ich war nicht mehr die Frau, die alles im Griff hatte. Kein Mensch konnte sich vorstellen, wie anstrengend es war, Frau Doktor zu sein und wie problemlos, geführt zu werden. Ich empfand ein tiefes Gefühl der Geborgenheit.
Es mischte sich mit Angst, als ich nach meiner Verrichtung den Rohrstock in der Hand von Frau Doktor von Willberg sah. Was mich gleichermaßen beunruhigte und faszinierte, war die Gelassenheit, die ironische Distanz, mit der sie ihre ungewöhnliche Tätigkeit ausübte. “Ihren Schlüpfer hätten Sie nach dem Urinieren gleich unten lassen können. Denn Sie wissen ja: Die zehn Hiebe gibt es auf den nackten Hintern.” Zehn Hiebe! Nackter Hintern! Ich war zu weit gegangen.
Meine verdammte masochistische Ader. Träume waren gut. Ein blutig geschlagener Hintern – das ging zu weit.
Ich zog den Slip bis zu den Oberschenkeln runter, entblößte meinen gewaltigen Busch. “Weiter”, sagte Frau Dr. von Willbereg. “Weiter. Oder wissen Sie was, ziehen Sie den Slip ganz aus. Er ist nur im Wege.” Sekunden später hielt sie auch meinen Schlüpfer in der Hand. Sie half mir auf den Bock. Sie fixierte meine Hand- und Fußgelenke in den Schlaufen. “Damit Sie mir nicht wegspringen, wenn ich Ihnen gleich den Arsch versohle.” Ich glaubte, einen leicht heiseren Unterton in ihrer Stimme zu vernehmen. Ich hätte es ihr nicht übel nehmen können. Ich war, oder besser, mein Arsch war exponiert. Durch die leichte Schräglage und den Gurt, mit dem ich auch noch an der Taille fixiert worden war, war mein Hinterteil der höchste Punkt. Vulva und Anus waren schutzlos den Blicken meiner Straferin preisgegeben. Ich versuchte, die Backen zusammenzukneifen. Es ging nicht. Frau Dr. von Willberg ging um den Bock herum, faßte mich am Kinn, zwang mich, in ihre Augen zu schauen:
“Sie haben in Ihrer Firma Unterschlagungen begangen. Ich werde Ihnen jetzt dermaßen den Hintern striemen, daß Sie Tage nicht richtig sitzen können und ein Leben lang daran erinnert werden, daß sich Unehrlichkeit rächt..”
Sie wandte sich nun meiner Straffläche zu- Sie wollte mich demütigen. “!Sie haben einen hübschen Popo, Susanne. Noch”. Ich hörte ein Fauchen, ich spürte einen furchtbaren Schmerz. “Ahhhhhhhh” “Ich bin nicht Susanne Neufeld”. “Sie sind die Kaiserin von China. Natürlich. Ihre Majestät bekommt gerade den Arsch gegerbt”. Crack. “Nein, nein, ich halte das nicht aus.” Ich war sicher, daß sie mir den Hintern entzweischlagen würde. Noch nie hatte ich solche Schmerzen erlebt. Zum dritten Mal schnitt das Rattan in meine Pobacken. Mir wurde übel.
Pause. Nummer vier. Es ging mir durch Mark und Bein. Ich schrie gellend. Der Schrei ging in ein haltloses Weinen über. Fünf und sechs. Blitzschnell hintereinander. “Ahhh, ohhhh, neiiiinnn, neiiiin”. “Doch. Und ich sorge dafür, daß Sie sich daran erinnern. Sie werden es überleben, aber Sie werden ein paar Tage nicht sitzen können. Und sonstige Dinge werden Ihnen auch nicht viel Vergnügen machen. haben Sie einen Freund. Mit Vögeln ist für einige Zeit nichts.” Sie hatte Spaß daran, es machte ihr Freude, mich zu demütigen. Der sechste Hieb traf die Stelle, wo Po und Oberschenkel sich treffen. Mein Körper zuckte, ich bestand nur noch aus Schmerz, der Popo war zum Mittelpunkt meines Seins geworden. Sieben, acht, neun, zehn…. Ich weiß nicht, wie ich es überstanden habe. Sie mußte mir vom Bock helfen. Mehr tot als lebendig, rutschte ich herunter auf den kalten Fußboden. Ich heulte wie eine Dreijährige. Es warmir egal, daß ich unten herum nackt war.
Unter Tränen versuchte ich in die Jeans zu kommen. Unmöglich. Dicke, wulstige, blutunterlaufene Striemen hatten mein Gesäß an schwellen lassen. Sie holte einen Rock, sie brachte mich nach Hause. Auf dem Bauch liegend. Auf dem Rücksitz Ihres BMW…
Während der Fahrt gestand ich Ihr alles. Es war der Beginn einer intensiven, wunderbaren, erfüllenden, schmerzbringenden Freundschaft.